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Technik

Kundalini-Meditation: Mantra, Atem, Mudra

Meditation·Aktualisiert am 16. September 2026·2 Min. Lesezeit

Anders als stille Formen arbeitet diese Meditation mit klaren Vorgaben: ein bestimmtes Mantra, eine bestimmte Atmung, eine bestimmte Zeit. Für manche ist genau das die Erleichterung.

In der Meditationspraxis, die unter diesem Namen unterrichtet wird, ist nichts dem Zufall überlassen. Eine Übung – im Sprachgebrauch dieser Tradition ein Kriya – legt Haltung, Handhaltung, Atemtechnik, Mantra, Blickrichtung und Dauer fest. Genau diese Bestimmtheit unterscheidet sie von offenen Formen.

Wie eine Übung aufgebaut ist

Sitz. Aufrecht im Schneidersitz auf einem erhöhten Kissen oder auf einem Stuhl. Die Wirbelsäule soll sich selbst tragen.

Mudra. Eine definierte Handhaltung, häufig Gyan Mudra – Daumen und Zeigefinger berühren sich, die übrigen Finger sind gestreckt.

Mantra. Eine Silbenfolge, die laut, geflüstert oder innerlich wiederholt wird, oft an den Atem gekoppelt. Verbreitet sind kurze Formeln wie Sat Nam; die Übersetzung wird meist mit „wahre Identität“ wiedergegeben.

Atemtechnik. Je nach Übung ruhig und lang, in Vier-Teile-Atmung oder als schnelles Feueratmen. Letzteres ist bei Schwangerschaft, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Epilepsie nicht geeignet.

Blick. Häufig geschlossene Augen mit innerer Ausrichtung auf einen Punkt zwischen den Augenbrauen oder auf die Nasenspitze.

Dauer. Fest vorgegeben, typischerweise drei, elf oder einunddreißig Minuten. In dieser Tradition wird empfohlen, eine Übung über vierzig Tage täglich durchzuführen.

Woher der Begriff kommt

Kundalini bezeichnet in indischen Texten eine Energie, die am unteren Ende der Wirbelsäule ruht und durch Übung aufsteigen soll. Das ist ein Bild innerhalb eines religiösen Systems, keine anatomische Beschreibung – wer die Übungen praktiziert, muss das Modell nicht übernehmen.

Die im Westen verbreitete Form geht auf Harbhajan Singh Khalsa, genannt Yogi Bhajan, zurück, der sie ab 1969 in den USA unterrichtete. Nach seinem Tod wurden schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben; eine 2020 veröffentlichte, von seiner eigenen Organisation beauftragte unabhängige Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs überwiegend als glaubhaft einzustufen sind. Viele Lehrende unterrichten die Übungen seither ohne Bezug auf seine Person. Wer einen Kurs sucht, darf diese Frage stellen; seriöse Anbieter gehen offen damit um.

Was die Form leistet

Die Wirkmechanismen sind dieselben wie bei anderen Meditationsformen – ein klarer Aufmerksamkeitsgegenstand, verlängerte Ausatmung, Wiederholung. Der Unterschied liegt in der Zugänglichkeit: Für Menschen, die mit stiller Atembeobachtung nichts anfangen können, ist ein akustischer Gegenstand oft leichter zu halten.

Spezifische Wirkungen, die über die allgemein für Meditation belegten Effekte hinausgehen, sind nicht nachgewiesen. Behauptungen über Chakren, Drüsen oder Energiebahnen gehören zur Beschreibungssprache der Tradition, nicht zur Physiologie.

Für wen

Geeignet für alle, die Struktur schätzen und feste Vorgaben brauchen, um dranzubleiben. Weniger geeignet für Menschen, die Wert auf einen religiös neutralen Rahmen legen – Mantras und Ritual sind Bestandteil, nicht Beiwerk. Eine stilneutrale Alternative mit ähnlich klarem Ablauf ist Yoga Nidra.

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