Yoga-Stil
Hatha Yoga: der ruhige Einstieg
Ablauf einer Stunde, Unterschied zu Vinyasa und was der Begriff historisch bedeutet.
Rubrik
Yoga ist kein einheitliches Fach. Zwischen einer schweißtreibenden Ashtanga-Serie und einer Yin-Stunde mit fünf Haltungen liegen Welten – und beides heißt Yoga.
Wer einen Kurs sucht, steht vor einem Wort, das fast alles bedeuten kann. Die folgenden Stile decken den größten Teil dessen ab, was in deutschen Studios angeboten wird. Sie unterscheiden sich vor allem in drei Punkten: wie lange eine Haltung gehalten wird, wie viel Kraft sie verlangt und wie viel außer Körperübungen dazugehört.
Der Oberbegriff für körperbetontes Yoga – und zugleich die Bezeichnung für ruhige Kursformate, in denen einzelne Haltungen etwa dreißig bis sechzig Sekunden gehalten und einzeln erklärt werden. Der übliche Einstieg. Mehr dazu: Hatha Yoga.
Haltungen werden in einer Bewegungsfolge aneinandergereiht, jeder Wechsel ist an einen Atemzug gekoppelt. Dynamisch, kreislaufaktiv, von Stunde zu Stunde unterschiedlich. Wer den Sonnengruß kennt, kennt das Prinzip.
Eine feste Abfolge, die in immer gleicher Reihenfolge geübt wird, traditionell sechsmal pro Woche. Kraftintensiv, mit hohem Anteil an Armhaltungen wie Chaturanga Dandasana. Wer Struktur mag, bleibt dabei; wer Abwechslung braucht, nicht.
Wenige, überwiegend sitzende und liegende Haltungen, drei bis sieben Minuten gehalten, Muskeln bewusst entspannt. Zielgewebe ist das Bindegewebe. Ausführlich: Yin Yoga.
Präzise Ausrichtung, lange Haltezeiten, systematischer Einsatz von Hilfsmitteln – Blöcke, Gurte, Decken, Wand. Besonders verbreitet bei körperlichen Einschränkungen und in der Therapie.
Feste Übungsreihen aus Bewegung, Atemtechnik, Mantra und Meditation. Weniger auf Dehnung, mehr auf Wiederholung und Rhythmus ausgelegt. Zur Meditationspraxis daraus: Kundalini-Meditation.
Vollständig gestützte Haltungen, fünf bis zwanzig Minuten, mit Bolstern und Decken. Kein Dehnreiz, reine Regeneration. Abgrenzung zum verwandten Yin: Yin oder Restorative?
Acro Yoga verbindet Yoga mit Akrobatik und Partnerarbeit, Partner Yoga übt zu zweit ohne akrobatischen Anspruch. Bikram und ähnliche Formate finden in beheizten Räumen statt – für Kreislaufempfindliche nicht die erste Wahl.
| Stil | Intensität | Haltedauer | Gut geeignet für |
|---|---|---|---|
| Hatha | mittel | 30 bis 60 Sekunden | Einstieg, Grundlagen |
| Vinyasa | mittel bis hoch | 3 bis 5 Atemzüge | Bewegungsfreude, Ausdauer |
| Ashtanga | hoch | fest vorgegeben | Struktur, Kraftaufbau |
| Iyengar | mittel | lang, gestützt | Präzision, Einschränkungen |
| Yin | niedrig | 3 bis 7 Minuten | Beweglichkeit, Ruhe |
| Restorative | sehr niedrig | 5 bis 20 Minuten | Erholung, Erschöpfung |
| Kundalini | wechselnd | Wiederholungen | Atem, Meditation |
Die heute geübten Formen sind jünger, als ihre Sprache vermuten lässt. Viele Abfolgen, darunter der Sonnengruß, haben ihre heutige Gestalt im frühen 20. Jahrhundert bekommen; die älteren Texte, auf die sich Yoga beruft, beschreiben überwiegend Sitzhaltungen, Atemlenkung und Meditation. Wer sich dafür interessiert, findet in der Rubrik Meditation die ruhigere Hälfte dieser Tradition.
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