Überlieferung
Manna in der Bibel: was im Text wirklich steht
Aussehen, Geschmack, Sammelregeln, Sabbat: eine nüchterne Lesart des bekanntesten Wüstenberichts.
Rubrik
Kaum ein Wort hat so viele Bedeutungsschichten wie dieses: Es steht für eine Speise in einer Wüstenerzählung, für einen Baumsaft aus Süditalien und für alles, was unverhofft und ohne Gegenleistung ankommt.

Wer heute „Manna“ sagt, meint meistens eine Redensart. Dahinter stehen aber drei sehr unterschiedliche Dinge, die nur lose miteinander zusammenhängen: ein biblischer Bericht, ein botanisches Produkt und ein Sprachbild. Diese Rubrik trennt die drei sauber voneinander.
Im zweiten Buch Mose, Kapitel 16, zieht das Volk Israel durch die Wüste. Als die Vorräte fehlen, liegt morgens etwas auf dem Boden, das die Leute nicht einordnen können. Die Beschreibung im Text ist erstaunlich konkret: fein, körnig, weiß, im Geschmack nach Honigkuchen. Was der Text nicht liefert, ist eine Erklärung. Genau das ist der Punkt, an dem später Naturkundler ansetzten – nachzulesen in Manna in der Bibel.
Unabhängig davon gibt es ein Handelsgut, das denselben Namen trägt: den eingetrockneten Saft der Manna-Esche Fraxinus ornus. Er wurde jahrhundertelang in Süditalien gewonnen, enthält bis zu 90 Prozent Mannitol und war bis ins 19. Jahrhundert ein gängiges mildes Abführmittel. Wie er geerntet wird und was Mannit damit zu tun hat, steht in Manna-Esche und Manna-Zucker.
„Das kam wie Manna vom Himmel“ sagt jemand, dem ohne eigenes Zutun geholfen wurde. Wie aus einem Wüstenbericht eine Alltagsformel wurde und wo das Wort sonst noch auftaucht – in der Kunst, in der Medizin, in Vornamen – zeigt Manna in der Sprache.
Überlieferung
Aussehen, Geschmack, Sammelregeln, Sabbat: eine nüchterne Lesart des bekanntesten Wüstenberichts.
Botanik
Fraxinus ornus liefert einen Saft mit bis zu 90 Prozent Mannitol – Ernte, Geschichte und heutige Verwendung.
Sprache
Von der Wüstenerzählung zur Alltagsformel: Bedeutung, Gebrauch und Verwandte des Wortes.