Zum Inhalt springen
MANNAMagazin für alles, was nährt

Botanik

Manna-Esche und Manna-Zucker

Manna·Aktualisiert am 16. September 2026·3 Min. Lesezeit

Es gibt ein Manna, das man kaufen kann. Es wächst in Süditalien, tropft aus Rindenschnitten und erstarrt an der Luft zu gelblich-weißen Stangen.

Blühende Manna-Esche mit weißen Blütenrispen
Die Manna-Esche blüht im Frühjahr auffällig weiß – daher der zweite deutsche Name Blumen-Esche. Bild: Sciencia58, CC0, via Wikimedia Commons

Die Manna-Esche Fraxinus ornus ist ein kleiner Baum aus der Familie der Ölbaumgewächse. Sie stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und Südosteuropa, wird aber weit darüber hinaus als Zierbaum gepflanzt – auch in deutschen Straßen und Parks, wo sie im Frühjahr mit auffällig weißen, duftenden Blütenrispen steht. Der zweite deutsche Name lautet deshalb Blumen-Esche.

Wie Manna geerntet wird

Für die Gewinnung werden Bäume ab einem Alter von etwa acht bis zehn Jahren genutzt. In die Rinde werden Querschnitte gesetzt; der austretende Siebröhrensaft erstarrt an der Luft innerhalb weniger Stunden zu einer gelblich-weißen, kristallinen Masse. Diese wird an der Sonne getrocknet und gelangt als „Manna“ in den Handel – je nach Qualität als längliche Stangen oder als bröseliges Gemisch.

Der Ertrag schwankt stark. Für einen Hektar mit etwa 5.000 Bäumchen werden Angaben zwischen 80 und 1.000 Kilogramm genannt. Der entscheidende Faktor ist das Wetter: Regen löst den noch nicht getrockneten Saft auf und vernichtet die Ernte. Früher wurden deshalb in den Eschenhainen nachts Wachen aufgestellt.

Angebaut wurde und wird die Manna-Esche für diesen Zweck vor allem in Süditalien, insbesondere auf Sizilien und in Kalabrien. Handelsware kam ab dem 16. Jahrhundert in größeren Mengen nach Mitteleuropa.

Was drinsteckt: Mannit

Der eingetrocknete Saft besteht zu bis zu 90 Prozent aus Mannitol, daneben finden sich Stachyose, weitere Zucker und in Spuren der Farbstoff Fraxin. Mannitol – im deutschen Sprachgebrauch meist Mannit – ist ein Zuckeralkohol und hat seinen Namen direkt von diesem Baumprodukt.

Zuckeralkohole werden im Dünndarm nur teilweise aufgenommen. Das erklärt beide Eigenschaften, für die Manna bekannt war und ist:

  • Es schmeckt süß, liefert aber weniger verwertbare Energie als Haushaltszucker.
  • In größerer Menge wirkt es mild abführend, weil der unverdaute Anteil Wasser im Darm bindet.

Bis ins 19. Jahrhundert war Manna genau dafür ein gängiges Hausmittel, besonders für Kinder und in der Schwangerschaft, weil es als besonders sanft galt. Reste dieser Tradition finden sich bis heute in Mischungen wie den sogenannten Schwedenkräutern.

Mannit heute

Als isolierter Stoff wird Mannit industriell gewonnen und ist weit verbreitet:

VerwendungWozu
ZuckeraustauschstoffSüße ohne den vollen Brennwert von Saccharose, unter anderem in Diabetikerprodukten
TablettenherstellungFüll- und Bindemittel, weil es nicht klebt und Feuchtigkeit kaum anzieht
Kaugummi und Süßwarenverhindert das Verkleben, sorgt für den kühlenden Effekt beim Lutschen
Medizinals Infusionslösung zur Entwässerung, etwa bei erhöhtem Hirndruck

Wer Manna als Baumprodukt kaufen will, findet es heute vor allem als regionale Spezialität aus Sizilien, in kleinen Mengen und zu entsprechenden Preisen. Als Süßungsmittel im Alltag spielt es keine Rolle mehr – als Beispiel dafür, wie ein Wort von einer Erzählung über ein Handelsgut bis in die Pharmazie wandert, dafür umso mehr.

Weiterlesen