Einstieg
Yin Yoga für Anfänger: der Leitfaden
Für die erste Yin-Praxis reichen vier Haltungen, eine Decke und zwanzig Minuten. Alles Weitere kommt von allein – oder gar nicht, was auch in Ordnung ist.
Yin Yoga ist der Stil mit den geringsten Einstiegshürden: keine Kraft, keine Beweglichkeit, kein Vorwissen. Die einzige Anforderung ist Zeit – und die Bereitschaft, in einer Haltung zu bleiben, obwohl der Kopf längst weiterwill.
Was du brauchst
- Eine Unterlage. Matte, Teppich, Decke – Hauptsache nicht zu weich.
- Zwei Kissen oder eine gefaltete Decke. Zum Unterlegen unter Knie, Gesäß oder Kopf. Ein festes Sitzkissen erleichtert alle sitzenden Haltungen erheblich.
- Etwas zum Zudecken. Bei langem Liegen kühlt der Körper aus.
- Eine Uhr. Ein leiser Timer ist besser als ständiges Nachsehen.
Ein Block ist nützlich, aber nicht nötig; ein dickes Buch tut es auch.
Die drei Grundregeln
- Geh nur so tief, dass du den Zug spürst, aber ruhig atmen kannst. Die Faustregel: etwa sechzig Prozent dessen, was maximal ginge.
- Werde still. Kein Nachfedern, kein Tiefergehen, keine Korrekturen. Die Haltung arbeitet über Zeit, nicht über Intensität.
- Bleib. Für den Anfang zwei bis drei Minuten pro Haltung, später drei bis fünf.
Eine Abfolge für zwanzig Minuten
Jede Haltung zwei bis drei Minuten, dazwischen jeweils eine halbe Minute flach auf dem Rücken liegen.
- Schmetterling. Sitzen, Fußsohlen aneinander, Knie fallen lassen, Oberkörper sinkt nach vorn. Unter die Knie Kissen, wenn sie hoch stehen.
- Drache (jede Seite). Aus dem Vierfüßlerstand einen Fuß nach vorn neben die Hand setzen, das hintere Knie am Boden. Öffnet die Hüftbeuger, die beim Sitzen verkürzen.
- Raupe. Sitzende Vorbeuge mit langen Beinen, Rücken darf rund werden. Bei steifen Beinrückseiten auf ein Kissen setzen.
- Schwan (jede Seite). Die entspannte Variante der Taube; Gesäß unterlegen, Oberkörper sinkt nach vorn.
- Abschluss: fünf Minuten Shavasana.
Das reicht für die erste Woche. Wenn zwanzig Minuten selbstverständlich sind, kommen längere Haltezeiten – nicht mehr Haltungen.
Fünf häufige Fehler
- Zu tief einsteigen. Wer bei Minute eins am Anschlag ist, hält keine vier.
- Muskeln anspannen. Yin funktioniert nur bei losgelassener Muskulatur. Wenn du zittern musst, ist es keine Yin-Haltung.
- Zu wenig unterlegen. Kissen sind kein Rückschritt, sondern die Voraussetzung dafür, überhaupt entspannen zu können.
- Direkt nach dem Sport üben. Warme, kräftig beanspruchte Muskeln lassen sich schlecht passiv dehnen und man geht zu weit. Yin passt besser vor dem Training oder an ruhigen Tagen.
- Die Pausen weglassen. Die halbe Minute Rückenlage zwischen zwei Haltungen gehört dazu – dort wird spürbar, was gerade passiert ist.
Wie oft?
Zwei- bis dreimal pro Woche reichen für eine deutliche Veränderung der Beweglichkeit innerhalb weniger Wochen. Täglich üben ist möglich, aber nicht nötig. Wer gleichzeitig kräftigend üben will, kombiniert Yin abends mit einer aktiveren Hatha- oder Vinyasa-Praxis am Morgen.
Der nächste Schritt
Wenn die fünf Haltungen sitzen, lohnt sich der Blick auf die zehn wichtigsten Yin-Haltungen – und auf die Frage, was dabei im Gewebe eigentlich passiert.